Unsere Suchtberatung feiert 20-jähriges Jubiläum
Die Suchtberatung des Jobcenter Landkreis Heilbronn feiert Ihr 20-jähriges Jubiläum. Anlässlich dieses runden Geburtstages hat uns die Heilbronner Stimme folgenden Artikel gewidmet:
Aus dem Teufelskreis in ein geregeltes Leben
REGION 20 Jahre Suchtberatung im Jobcenter des Landkreises Heilbronn – Geschäftsführer Marco Krebs: Angebot ist ein Erfolgsmodell
Von unserem Redakteur Wolfgang Müller
Seit 20 Jahren berät das Jobcenter des Landkreises Heilbronn arbeitsuchende Menschen mit Suchtproblemen. Für Geschäftsführer Marco Krebs ist dieses Angebot ein Erfolgsmodell.
„Ohne die Suchtberatung im Jobcenter wäre ich nicht mehr hier“, sagt Ricky Jurai. Der 41 Jahre alte Lauffener geht mit seinen Problemen offen um. Mit denen in seiner Vergangenheit ebenso wie mit den Themen, die ihn heute belasten. Dass er mit vollem Namen in der Zeitung steht, hält er für richtig. „Vielleicht kann ich auf diese Weise anderen Betroffenen helfen.“
Nikotin, Marihuana, Amphetamine, Ecstasy, Kokain, Lyrika und andere Drogen hat er konsumiert. Auch Heroin und verschreibungspflichtige Medikament gehören dazu. Um sich immer weiter zu steigern, sagt er. Und je nachdem, welche Rückschläge er in seinem Leben verkraften musste. „Es gab Zeiten, da wollte ich meinen Körper nur noch betäuben“, sagt Jurai.
Menschen wie Ricky Jurai hilft das Jobcenter auf die Beine. Nicht nur, um ihnen eine Arbeit zu vermitteln oder sie in Kursen weiter zu qualifizieren. Mit der hausinternen Suchtberatung solle vielmehr das Problem ohne Umwege an der Wurzel gepackt werden.
Drei Suchtberater sind an das Jobcenter angebunden und geben Arbeitssuchenden Hilfestellung, manchmal sind es mehr als 100 Betroffene pro Monat. Zusammen teilen sie sich zwei Vollzeitstellen, die auch vom Landkreis Heilbronn finanziert werden. Träger sind das Diakonische Werk Heilbronn, die Caritas Heilbronn-Hohenlohe und der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation (BWLV).
Visionär „Sucht und psychische Probleme sind das größte Hemmnis, um ein geregeltes Leben mit einer Arbeit zu führen“, sagt Kathrin Finkbeiner, Leiterin des Fachbereichs Soziale Hilfen bei der Caritas. Dass das Jobcenter vor 20 Jahren eine Suchtberatung eingerichtet hat, bezeichnet sie als „visionär“.
Tatsächlich gebe es so ein kombiniertes Modell bundesweit so gut wie gar nicht, so Robert Wörner, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters. Als Bereichsleiter Leistung gehört die Suchtberatung in sein Ressort. „Wir haben hier eine warme Übergabe“, nennt Wörner den größten Vorteil der hausinternen Beratung. Demnach könne ein Vermittler seinem süchtigen Kunden eine Beratung ohne Umwege anbieten. Für den Betroffenen fielen große Hürden weg. Er vertraue seinem Vermittler und damit auch demjenigen, dem dieser vertraut. Darüber hinaus müsse der Betroffene nicht eigeninitiativ einen Suchtberater aufsuchen.
Die drei Berater im Jobcenter sind sozialpädagogisch und therapeutisch ausgebildet und wissen nach sechs bis acht Motivationsgesprächen, welche Maßnahme sich für wen am besten eignet. Dann vermitteln sie Betroffene unter anderem in Reha-Maßnahmen oder Selbsthilfegruppen. „Wichtig ist dabei die Selbstehrlichkeit“, sagt Kai Brennecke von der psychosozialen Beratungsstelle der Diakonie.
Meist handele es sich um süchtige Personen mit Mischkonsum.
Spielsucht Medien- und Spielsucht sei seit ein paar Jahren aber auf dem Vormarsch, sagt Sibylle Eyerle vom BWLV. Auch damit hat Ricky Jurai Erfahrungen gemacht. Mit seiner Spielsucht habe er viel Geld verloren. Das dauere manchmal nur Minuten. „Ein Einfamilienhaus hätte ich dafür schon hinstellen können“, sagt er.
Um weiter spielen zu können, habe er sich Geld auch illegal verschafft. Der Teufelskreis schloss sich für ihn vorübergehend hinter Gefängnismauern.
Drei Jahre und acht Monate sei er clean gewesen. Jetzt sei er rückfällig geworden. „Ich schäme mich“, sagt er. Und betont seine Entschlossenheit, seine Sucht ein weiteres Mal zu besiegen. Denn er wolle unbedingt wieder arbeiten. Dabei verspricht der gelernte Fliesenleger mit Zusatzausbildung als Dreher, Fräser und Gabelstaplerfahrer motiviert und einsatzfreudig zu sein.
