Teilnehmer erstellen im "Mediencenter" Doku-Video

Mitte November endete die zweite Ausgabe der Eingliederungsmaßnahme „Mediencenter“ des Jobcenter Landkreis Heilbronn für Arbeitslosengeld II-Leistungsbezieher. In Zusammenarbeit mit dem Heilbronner Bildungsträger GSM und Kursleiter Claudius Carstens erschufen die zwölf Teilnehmer wieder ein Endprodukt aus dem digitalen Medienbereich.

Mitte November endete die zweite Ausgabe der Eingliederungsmaßnahme „Mediencenter“ des Jobcenter Landkreis Heilbronn für Arbeitslosengeld II-Leistungsbezieher. In Zusammenarbeit mit dem Heilbronner Bildungsträger GSM und Kursleiter Claudius Carstens erschufen die zwölf Teilnehmer wieder ein Endprodukt aus dem digitalen Medienbereich. Setzte das erste Mediencenter noch mit einem „Gute-Laune-Hiphop-Track“ ein Zeichen gegen Diskriminierung, so kreierte die aktuelle Gruppe eine nachdenkliche Dokumentation mit dem Namen „Hoffnung“. Entstanden ist dabei ein aktuelles Zeitzeugnis, das einen Eindruck vermittelt, wie sich Flüchtlinge in Deutschland, weit weg von der Heimat, fühlen, und welche Zukunftspläne sie verfolgen.

Neben dem Endprodukt war einer der größten Unterschiede zum Debütprojekt die Teilnehmerzusammensetzung. Waren im ersten Mediencenter noch verschiedenste Kulturen in der Gruppe zu finden, so waren die aktuellen Teilnehmer diesmal ausnahmslos Geflüchtete, hauptsächlich aus Syrien.

„Der Hauptunterschied war die Sprachbarriere“, sagte dann auch Projektleiter und Medienprofi Claudius Carstens mit einem Schmunzeln. Doch einen Sekundenbruchteil später wird seine Mimik ernst: „Das war auch für mich diesmal eine große Herausforderung, denn fast täglich erfuhren die Teilnehmer Hiobsbotschaften aus ihren vom Krieg gebeutelten Heimatländern. Das hat mich sehr bewegt.“

Nichtsdestotrotz machten sich die Teilnehmer überaus motiviert ans Werk, die Dauer von zwei Wochen ist schließlich auch sehr ambitioniert und erforderte teilweise sogar Überstunden. In der ergebnisoffenen Erstbesprechung wurde dann schnell der Beschluss gefasst, diesmal eine Dokumentation zu erstellen. Zur Verfügung standen den Teilnehmern dabei nahezu unbegrenzte digitale Möglichkeiten. Professionelle Hardware wie Mikrofone, Kameras, Laptops und PC´s, die wiederum mit gängiger Profi-Software ausgestattet waren, verwandelten den Seminarraum in ein beeindruckendes Multimedia-Studio.

In dessen Zentrum befand sich das Herzstück des Seminars, der Versammlungsbereich, an dem täglich in mehreren gemeinsamen Besprechungen der kreative Masterplan ent- bzw. weiterentwickelt wurde.

Nachdem das Projekt „Dokumentation“ mit dem Arbeitstitel „Hoffnung – auf ein neues Leben“ feststand, wurden schnell Teams gebildet. Diese kümmerten sich  in Kleingruppen um die grafische Umsetzung des Logos, die Erstellung der filmbegleitenden Beats und des Gesangs, sowie das Filmen selbst und den Schnitt. Wohlgemerkt, kein einziger der Teilnehmer hatte jemals Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt.

Doch das ist für Claudius Carstens nicht ausschlaggebend: Denn „zum Einen ist die Bedienung der Grundfunktionen schnell erlernbar, zum anderen kommt die Motivation und der Enthusiasmus der Teilnehmer hinzu.“

Die Dokumentation selbst besteht aus mehreren Teilen. Zu Beginn werden alle Beteiligten in Großaufnahme gezeigt, begleitet von einem syrischen Volkslied im Hintergrund (grandios gesungen von einer Teilnehmerin), das zusammen mit dem Schwarz-Weiß-Videofilter gleich zu Beginn für Gänsehaut-Stimmung beim Betrachter sorgt.

Es folgen Interviews der Teilnehmer selbst, die Einblicke in das Seelenleben der Geflüchteten geben. „Vor diesem großen Krieg haben wir in Syrien gut und zufrieden miteinander gelebt und hatten keine Probleme“, sagt beispielsweise Ali.

Wie es für die zwölf Teilnehmer weitergehen soll, darüber gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Manche möchten wieder zurück, sobald der Krieg beendet ist, andere sehen ihre Lebenszukunft in Deutschland. Die Stimmungen schwanken dabei zwischen Heimweh nach Familie und Freunde sowie Dankbarkeit über die Stabilität und guten Zukunftsaussichten in Deutschland. 

Doch, so Sprecher Eyad, „aufgrund des noch immer wütenden Krieges werden selbst diejenigen, die zurück in ihre Heimat möchten, noch längere Zeit auf ihre Rückkehr warten müssen. Umso wichtiger sei daher die soziale und berufliche Integration.“

Und über ebenjene Punkte haben die Teilnehmer Passanten in der Heilbronner Fußgängerzone befragt. Die Äußerungen waren dabei quasi durchweg positiv. Die Quintessenz: „Ja, wir denken die Integration wird klappen.“ Oder wie es ein Befragter formuliert: „Es gibt hier viel, viel mehr Menschen, die die Willkommenskultur leben als umgekehrt.“

Deutlich wird aber auch, dass Anwohner und Geflüchtete (noch) nicht genug übereinander wissen, und es auch zum Teil der sozialen Integration gehört, aufeinander zuzugehen. Offen zu sein, für die Meinung des jeweils anderen.

Trotz des durchaus schweren und aufwühlenden Gesamtthemas, gibt es aber auch lustige Momente. Beispielsweise als ein Teilnehmer sagt, er habe nun nach drei Monaten endlich Internet. Denn die deutsche Bürokratie sagt er schmunzelnd sei „langsam, langsam, langsam“.

„Es gibt sicherlich noch viele Probleme zu bewältigen, doch in den letzten zwei Jahren wurde in punkto Integration schon viel erreicht“, mit diesen Worten beginnt das Outro des Films. „Viele Geflüchtete haben eine Wohnung gefunden und leben nicht mehr in einem Flüchtlingsheim. Die Integration in den Arbeitsmarkt hat begonnen.“

Die 12-minütige Dokumentation jedenfalls ist gelebte Integration. Ein Projekt, das einen seltenen Eindruck in die Gemütslage der Geflüchteten bietet. Kein Wunder also, dass Kursleiter Claudius Carstens nach der Vorführung der Dokumentation vor den Mitarbeitern des Jobcenters Tränen in den Augen hatte. Der langanhaltende Applaus der Zuseher ist Respekt für den Inhalt und die  professionelle Fertigung des Filmes zugleich.

Und hier kommt wieder auch die Nachhaltigkeit des Projektes zum Vorschein. Keiner der Teilnehmer hätte wohl jemals gedacht, dass er Grafiken mit Photoshop anfertigen oder Beats mit Propellerhead „Reason“ kreieren kann. Den Teilnehmern wurde also bewusst, in ihnen steckt viel mehr, als sie selbst dachten – und das wird ihr zukünftiges Handeln auch in punkto Stellensuche prägen.

Das Video: Hoffnung – eine Dokumentation